Die Konzerte
Die Abschlusskonzerte fanden am Samstag, 11.04.2026 um 19:00 Uhr und am Sonntag, 12.04.2026 um 11 Uhr im Großen Saal der Hochschule für Musik Würzburg statt.
Das Programm
Die Konzerte wurden in großer Besetzung gespielt:
Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenkonzert in A-Dur KV 622
Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Sinfonie Nr. 5 e-Moll op.64
Solist: Jonas Kalin, Klarinette
Die Bilder







Der Artikel
Zwei Meister der Musikgeschichte stehen im Mittelpunkt des heutigen Konzertes – und die Werke könnten kaum gegensätzlicher sein. Während Mozarts Klarinettenkonzert in eine Welt voller Heiterkeit und spielerischer Eleganz entführt, konfrontiert uns die 5. Sinfonie mit den Höhen und Tiefen der inneren Zerrissenheit Tschaikowskis. So verbindet dieses Konzert nicht nur zwei musikalische Epochen, sondern auch zwei Facetten des Menschseins: die strahlende Lebensfreude und die tiefen Schatten des Schicksals.
Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur ist sein einziges Konzert für dieses Instrument und aus dessen Standardrepertoire heute nicht mehr wegzudenken. Spannend, dass es zu seiner Zeit Jahrzehnte brauchte, um sich im Konzertleben zu etablieren – nicht wegen mangelnder musikalischer Überzeugungskraft, sondern weil geeignete Musiker:innen fehlten. Das Werk entstand 1791, in Mozarts Sterbejahr, und war dem befreundeten Klarinettisten Anton Stadler gewidmet. Mozart hob sich mit dieser Komposition von den damaligen Solowerken ab, die sich meist auf die höheren Tonlagen konzentrierten. Stattdessen erkundete er das gesamte Klangspektrum der Klarinette und spielte mit dem Kontrast zwischen tiefen und hohen Registern. Ursprünglich konzipierte er das Stück sogar für die neu entwickelte Bassettklarinette mit erweitertem Tonumfang. Dieses Autograph ging allerdings verloren und das Klarinettenkonzert wurde später in einer Fassung für die A-Klarinette veröffentlicht.
Musikalisch vereint das Konzert die Schlichtheit musikalischer Elemente mit beeindruckender Ausdruckskraft: Die reduzierte Orchesterbesetzung mit wenigen Bläsern und die klare Struktur schaffen Raum für eingängige Melodien und eine außergewöhnliche emotionale Intensität. Das einleitende Allegro folgt der klassischen Sonatenhauptsatzform. Das Orchester stellt das Hauptthema vor, das die Klarinette sogleich aufgreift und mit improvisatorischem Charme variiert. Im darauffolgenden Adagio in Liedform führt die Klarinette sanft durch mehrere Themen. Die zarte Orchesterbegleitung und harmonischen Modulationen verleihen diesem Satz eine besondere Tiefe, sodass er bis heute zahlreiche Filme hinterlegt. Den Abschluss bildet ein festliches Rondo. Der Wechsel von virtuosen Solopassagen und orchestralen Zwischenspielen erzeugt einen lebhaften Dialog zwischen der Klarinette und Orchester und verleiht der Musik die typisch mozartische Leichtigkeit.
Die 5. Sinfonie in e-Moll von Pjotr Iljitsch Tschaikowski feierte von Anfang an großen Erfolg und zählt bis heute zu seinen beliebtesten Werken. Der Komponist selbst war wohl ihr schärfster Kritiker: Trotz der positiven Resonanz plagten ihn Selbstzweifel und er bezeichnete sein eigenes Werk als abstoßend, unaufrichtig und inspirationslos. Vielleicht zeigt sich hier besonders deutlich, dass die Lebensrealität eines Künstlers immer einen gewissen Einfluss auf seine Kompositionen hat. Trotz seines großen musikalischen Erfolgs litt Tschaikowski unter starken Depressionen und Angstzuständen, in seinen letzten Lebensjahren hinterfragte er immer wieder, ob er mit dem Komponieren nicht ganz aufgeben sollte. Hinzu kam, dass er als homosexueller Mann im russischen Zarenreich zu ständiger Selbstverleugnung gezwungen war, um gesellschaftlicher und staatlicher Repression zu entgehen. Dieser innerliche Zwiespalt spiegelt sich in der gesamten Sinfonie wider: Über vier Sätze hinweg wechseln friedvolle und lebensbejahende Passagen mit düsteren, von Verzweiflung geprägten Momenten – als würde die Musik immer wieder vom unerbittlichen Schicksal eingeholt. Im Zentrum des Werks steht deshalb das sogenannte Schicksalsmotiv, das in den ersten Takten eingeführt wird und dem die Sinfonie ihren Beinamen verdankt. Zu Beginn erscheint es wie ein düsterer Trauermarsch, der im weiteren Verlauf immer wieder an entscheidenden Stellen zurückkehrt. Dabei durchläuft es eine stetige Transformation, wandelt sich von Satz zu Satz in seinem Charakter und lässt stehts das Bedrohliche der Realität mitschwingen – mal rastlos, mal sanft, voller Energie und Ausgelassenheit. Im Finale wandelt sich das Motiv zu einem stolzen Triumphmarsch, der fast schon zu aufgesetzt und euphorisch wirkt und – ganz im Sinne Tschaikowskis eigener Skepsis – die Musik selbst infrage stellt.
Quellen:
https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/1273
https://www.schule-des-hoerens.at/wp-content/uploads/2024/06/Band-22.1-Klarinettenkonzert.pdf
https://www.concerti.de/werke/tschaikowsky-fuenfte-sinfonie/
https://www1.wdr.de/orchester-und-chor/sinfonieorchester/werkeinfuehrungen/tschaikowsky-fuenfte-sinfonie-100.html