Das Konzert
Die Abschlusskonzerte fanden am Freitag, 07.11.2025 um 19:00 Uhr und am Sonntag, 09.11.2025 um 11 Uhr im Großen Saal der Hochschule für Musik Würzburg statt.
Das Programm
Die Konzerte wurden wieder in großer Besetzung gespielt:
Reinhold Glière: Harfenkonzert Es-Dur, op. 74
Antonín Dvořák: Sinfonie Nr. 8, op. 88
Solist: Florian Hillienhoff, Harfe
Die Bilder







Der Artikel
Ein Abend, der die Vielfalt spätromantischer Ausdrucksformen entfaltet. Zwei Werke, die in ganz unterschiedlicher Weise den Dialog zwischen Individuum und Welt, zwischen zarter Empfindung und sprudelnder Lebensfreude suchen: Schwebende Leichtigkeit und sinnliche Harfenklänge stehen den prachtvollen, lebensfrohen Klängen einer der großen böhmischen Sinfonien gegenüber. Gemeinsam spannen sie einen weiten Bogen – von zarter, traumverlorener Eleganz bis zu mitreißender Lebensfreude.
Reinhold Glières Konzert für Harfe und Orchester entstand 1938 und gilt als eines der bedeutendsten Werke seiner Art. Gewidmet wurde es der Harfenistin Ksenia Erdeli, die maßgeblich an der Gestaltung der Solostimme beteiligt war. Mit ihren technischen Ratschlägen prägte sie die Virtuosität und Ausdrucksvielfalt entscheidend, lehnte jedoch das Angebot ab, als Mitkomponistin genannt zu werden. Sie war es, die das Konzert im Moskauer Konservatorium erstmals aufführte.
Das Konzert zeichnet sich durch seine lyrische Ausdruckskraft und romantische Klangsprache aus. Der erste Satz entfaltet sich in einer verträumten Sonatenhauptsatzform, deren schwärmerische Melodik an Rachmaninow erinnert – wie eine Morgendämmerung über weiter russischer Landschaft. Der zweite Satz führt in eine intime Welt des Erinnerns: Ein schlichtes, kantables Thema der Harfe durchläuft sieben fein differenzierte Variationen, welche Stimmungen zwischen Melancholie, Zärtlichkeit und stiller Hoffnung ausloten. Von sanftem Streicherteppich getragen, entsteht eine Atmosphäre von Erinnerung und Traum. Der dritte Satz lässt diese lyrische Versunkenheit schließlich in rhythmischer Lebendigkeit aufblühen – ein tänzerischer Abschluss, durchzogen vom Geist russischer Volkstänze, der das Werk in heiterem Glanz beschließt.
Auch Antonín Dvoráks 8. Sinfonie lebt aus dieser Verbindung von Innerlichkeit und Aufbruch. Anlässlich seiner Aufnahme in die „Böhmische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaft und Kunst“ im Jahr 1889 wollte der Komponist, wie er selbst betonte, einen bewussten Kontrast zu seinen bisherigen Symphonien setzen – „mit individuellen, in neuer Weise ausgearbeiteten Gedanken“. Entstanden ist ein Werk, das sich zwischen Naturbild, Seelenlandschaft und musikalischem Volksfest bewegt und bis heute als eine seiner bedeutendsten sinfonischen Schöpfungen gilt.
Wie das zarte Zwitschern eines Vogels eröffnet die Flöte nicht nur das Hauptthema, sondern auch das Eintauchen in eine böhmische Landschaft voller Farben, Bewegung und Licht. Erzählerische Themen und Motive, kombiniert mit klanglicher Leichtigkeit verschmelzen mit Momenten der Bedrohung und ziehen die Zuhörenden unmittelbar in ihren Bann. Das anschließende Adagio entfaltet sodann ein Wechselspiel zwischen träumerischer Ruhe und dramatischen Aufwallungen. Ein Dialog zwischen Naturidylle und innerer Unruhe erwacht. Der dritte Satz, ein stilisierter Walzer, lässt mit seiner schwebenden Melancholie den Geist böhmischer Volksmusik anklingen, bevor das Finale mit festlichen Fanfaren und einem volkstümlichen Variationenthema in eine ausgelassene Feier des Lebens und der Natur mündet.